# 57 Alibi – Brommysteig

Hochhausbebauung am Spreeufer

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Der Bauboom in Berlin sorgt wieder einmal für Aufregung und gibt Anlass zu öffentlichen Protesten. In den nächsten Tagen geht es der East Side Gallery an den Kragen. Ein sehr großes Stück der weltweit längsten Freiluft-Galerie soll für den Wiederaufbau des Brommysteiges weichen. Die historische Brommybrücke wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Sie soll erneuert werden, die beiden Uferseiten von Kreuzberg und Friedrichshain als Fußgänger- und Radweg miteinander verbinden und für den Notfall als Rettungsweg dienen. (So die offizielle Version.)

In den nächsten Wochen soll damit begonnen werden, Teile der Galerie zu entfernen. Die ausgebrochenen Mauersegmente werden dann an einem andern Teil des Spreeufers wieder aufgestellt, heißt es im amtlichen Sprachgebrauch des Berliner Senats.

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Diese Aktion ruft natürlich größtes Missfallen bei den Künstlern und dem Aktionsbündnis „Mediaspree versenken" hervor. Die Mauer-Galerie entstand spontan als Gesamtkunstwerk durch 118 Künstler aus 24 Ländern 1990, kurz nach der „Maueröffnung", und wurde seither von Kani Alavi betreut. Seit 1991 steht sie unter Denkmalschutz. Wegen des drohenden Zerfalls wurden die ungeschützten Kunstwerke, die seit ihres Entstehens als ein unwiederbringliches Zeitdokument gelten, mit der finanziellen Unterstützung durch die Lottostiftung, die 2009 zwei Millionen Euro für eine Sanierung bereitstellte, für längere Zeit konserviert. Auf Einladung von Kani Alavi trafen sich die Künstler der Welt erneut, teilweise unter sehr komplizierten Umständen, um ihre damaligen spontanen Friedens- und Freudenbotschaften dort erneut zu verewigen.

Und nun wird in Kürze mit dem Versetzen der Mauersegmente willkürlich in ein geschichtsträchtiges Kunstwerk eingegriffen. Obwohl ein weiterer Mauerdurchbruch für den Brommysteig nicht zwingend notwendig ist. Da kommt eher die Vermutung auf, dass durch die Entfernung der Mauersegmente eine dort entstehende und sehr nahe gelegene Immobilie (63 m hoch, 14 Etagen) mit Eigentumswohnungen zum Quadratmeterpreis von 2750 Euro und ein geplanter Hotelbau eines israelischen Investors mit einem besseren Zugang einer Aufwertung entgegensehen.

Betreiber umliegender Clubs, Künstler der East Side Gallery und Mitglieder des Aktionsbündnisses „Mediaspree versenken" sind mobilisiert und lehnen einen Mauerdurchbruch an dieser Stelle generell ab.

Am Dienstag, 26.02.13, gab es um 11.00 Uhr vor Ort erste Aktionen. Sie dienen der Sensibilisierung zum gerechten und vernünftigen Umgang mit der jüngsten Berliner Geschichte. Dass man weiß, wie mit zeitgeschichtlichen Überresten des „Antifaschistischen Schutzwalls" umzugehen ist, zeigt die Gedenkstätte an der Bernauer Straße. Der Charakter der East Side Gallery verführt die Stadtplaner leider dazu, den Sinn der East Side Gallery nicht im Auge zu behalten. Wer wird ihn in 50 Jahren oder mehr noch genau nachvollziehen können, wenn eine ständige Zerstücklung des Gesamtwerkes erfolgt? All die Freude, die Euphorie über den friedlichen Fall der Mauer und die Überwindung der Teilung auf eine ästhetische Weise mit künstlerischen Mitteln bewirkt zu haben!

Die Welt weiß um den Wert dieses steinernen Zeitzeugen, der Berliner Senat offenbar leider nicht!

Aktuell vom 1. März 1013

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