Nr. 34 / Juli/August 2006
Meinungen

Das Kiezfest - Gelegenheit für Fragen an die Bezirksbürgermeisterin

Am 23. Juni eröffnete die Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg, Cornelia Reinauer, das Kiezfest auf der Corinthstraße, der Persiusstraße und in den Laskerhöfen. In der Eröffnungsrede bedankte sich die Bürgermeisterin für die Gemeinwesenarbeit im Kiez rund um den Rudolfplatz. Dass dieser Kiez so gut vernetzt ist, sei ein Verdienst des Nachbarschaftszentrums RuDi-Kiezladen und seines Leiters Eberhart Tauchert. Das Kiezfest sei eine gute Gelegenheit miteinander ins Gespräch zu kommen. Auch den Gewerbetreibenden im Kiez, die zum Beispiel die Räume des Autohauses zur Verfügung gestellt hatten, dankte die Bürgermeisterin. Der Initiator, Eberhart Tauchert, ergriff ebenfalls das Wort und dankte allen, die das Fest vorbereiten halfen, besonders dem Verein Starthilfe gmdh (gib mir die Hand).
Viele der Beteiligten präsentierten sich mit kleinen Verkaufsständen und Info-Ständen, zum Beispiel auch das Nachbarschaftszentrum „Nixenkai“ von der Stralauer Halbinsel.
Wir vom „Kultstral“ nutzten die Gelegenheit, die Bezirksbürgermeisterin nach ihren Ansichten und Wünschen zu befragen. Das Besondere im Kiez sei, dass Gewerbe, Künstler, und andere Einrichtungen, wie zum Beispiel die Laskerhöfe, sich gemeinsam Gedanken über die Gemeinwesenarbeit gemacht haben. Gut sei auch, dass Starthilfe e.V. und Autohäuser ihre Türen für Künstler geöffnet haben, die sich hier präsentieren und ins Gespräch kommen wollen. Sie zeigten dadurch auch, welches Potenzial es im Kiez gibt und dass Netzwerkarbeit, die hier entstanden ist, weitergehe, so die Bürgermeisterin.
Befragt nach dem Ausblick auch für die eigene politische Arbeit, verwies Frau Reinauer auf ihren auch bisher gesetzten Schwerpunkt Integrationspolitik: „Friedrichshain-Kreuzberg ist ein Einwanderungsbezirk, der seine Probleme hat. Mit der Wiedervereinigung wurden viele Menschen mit Migrationshintergrund arbeitslos. Nur einige von ihnen konnten das mit dem Weg in die Selbständigkeit auffangen.“ Auch sei die Bildungsschicht vielfach weggezogen. Besonders beklagte die Bürgermeisterin, dass die Migrationsbevölkerung von politischen Willensbildungsprozessen ausgeschlossen sei. Es müsse neue Beteiligungsformen geben, die zum Mitdiskutieren einladen. „Wir haben eine neue dritte Weltreligion bekommen, mit einer gewissen Vielfalt. Das abzulehnen ist kein Ansatz.“, meinte Cornelia Reinauer.
Auch im kulturellen Bereich plädierte die Bürgermeisterin dafür, dass sich die Menschen kennenlernen. Der Bezirk habe ein reiches kulturelles Potenzial. Frau Reinauer sagte: „Kulturelle Bildung ist zentraler Schwerpunkt für uns. Das jetzige Schulsystem grenzt die Hauptschule aus!“
Zum Zusammenwachsen der früheren zwei Bezirke meinte die Bürgermeisterin, dass etwas Neues entstanden sei. Es gäbe noch Unterschiede in der sozialen Struktur und in der Migrationsstruktur. „Unterschiede und Vielfalt“, sagt sie, „sind unser Potenzial. Ich denke gar nicht mehr in den beiden Stadtteilen, das gehört jetzt zusammen.“
Sven Jansen


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Luisenstädtischer Bildungsverein -
15 Jahre im Dienste Berlins

Der Luisenstädtische Bildungsverein e.V. (LBV) ist ein Kind der Wende. Die Gründung war am 29. Mai 1991. Das geschah in einer Zeit, als die damalige Bundesanstalt für Arbeit Vereine sehr förderte, die den vielen Arbeitslosen eine Perspektive geben sollten. Ziel der gemeinnützigen Arbeit des Luisenstädtischen Bildungsvereins ist es seit seiner Gründung, eigene Erkundungen und vorliegende Forschungsergbnisse zur Geschichte Berlins und Brandenburgs bekannt zu machen.
„Wir haben arbeitslose Wissenschaftler, Historiker, Philosophen, Journalisten und Redakteure in unsere Forschungsarbeit eingebunden, realisiert durch Fördermaßnahmen. Einige, die in den Vorruhestand gingen, machten auch ehrenamtlich weiter“, so der Geschäftsführer Dr. Hans-Jürgen Mende.

Veröffentlichungen
Es gab eine Vielzahl von Veröffentlichungen über Berlin, die zum Teil sogar Standardwerk-Charakter haben. Bestes Beispiel sind die Berliner Bezirkslexika von Friedrichshain-Kreuzberg, Charlottenburg-Wilmersdorf und Mitte. Diese können auf der Internetseite des LBV [www.luise-berlin.de] als Volltextangebot gesichtet werden. Das zeigt ganz deutlich den gemeinnützigen Charakter des im Stralauer Kiez ansässigen Bildungsvereins.
Zurzeit sind 17 geförderte Mitarbeiter beschäftigt. Dazu kommen 30 bis 40 ehrenamtliche Mitwirkende. „Es gibt keinen Arbeitsmarkt für Geisteswissenschaftler oder Journalisten“, meint Mende. Und weiter: „Wir schulen sehr viele Menschen in Berlin-Geschichte. Einige Leute wurden zu Stadtführern ausgebildet. Andere sind mit der Berlin-Spezifik in Wirtschaftsverlagen zu einem Job gekommen. Aber wir machen keine Umschulung oder Arbeitsvermittlung. Es wird im öffentlichen Interesse Arbeit geleistet, Betroffene können sich wieder gebraucht fühlen und zu Recht im Impressum der Veröffentlichungen stehen.“
Zu den Forschungsprojekten gehören Bezirkslexika für Spandau, für Treptow-Köpenick, für Steglitz-Zehlendorf und weitere. Es gibt das Lexikon der Straßennamen, Friedhofsführer, den Taschenkalender „Berliner Kalender“ und Datenbanken im Internet. „Wir stellen Wissen unentgeltlich zur Verfügung. Aber wir erleben auch, wie von uns ohne Angabe der Quellen abgeschrieben und geplündert wird“, so Dr. Hans-Jürgen Mende.
Die Internet-Zeitschriften: „Berlinische Monatsschrift“ und „Berliner LeseZeichen“ waren zunächst Printmedien. Anfang der 2000er Jahre wurden die Mittel weniger. Zurzeit gibt es Überlegungen, eine Internet-Zeitschrift ganz anders, nutzerfreundlicher aufzuziehen.

Personelle Einbußen
Früher waren im Verein über Förderprojekte viele hundert Mitarbeiter eingebunden. Heute, unter den Bedingungen mit MAE-Stellen (Mehr-Aufwands-Entschädigung) für ein halbes Jahr, sei keine seriöse Forschungsarbeit möglich. Viele MAE-Leute arbeiteten sich in drei Monaten ein, da sei die halbe Maßnahme um, so Mende. Das nutzt dem LBV wenig. Denn es wird ergebnisorientiert gearbeitet.
1991 wurde jede Maßnahme für zwei Jahre bewilligt und konnte sogar verlängert werden.
Mitte der 1990er Jahre gab es einjährige Maßnahmen mit Verlängerungsmöglichkeit. Dann kamen SAM, die bis zu fünf Jahren eine Langzeitbetreuung von Projekten gestatteten. Aber das war nur für den Einzelnen gut und die Mittel waren gebunden.
Heute sollen so viele Leute wie möglich kurzfristig in Arbeit gebracht werden, für ein halbes Jahr. Das geht höchstens, wenn qualifizierte Leute zum Beispiel einzelne Stichwörter für ein Lexikon erarbeiten. Sie müssen geistig gearbeitet haben und Texte erstellen können.

Finanzielle Sorgen
„Inzwischen arbeiten wir mit überalterter Technik. 40.000 bis 50.000 Fotos von Berlin sind in digitaler Form vorhanden. Um das in einen Server zu bringen, reicht unsere Technik kaum aus. Das wird ein Problem, wenn wir keine Mittel bekommen“, so Mende.
Dabei hat der Luisenstädtische Bildungsverein noch einiges vor.
Geplant sind die Veröffentlichung „200 Jahre Kommunale Selbstverwaltung“, ein Administrations-Lexikon (Firmen und Behörden der letzten 100 Jahre mit Geschichte und Adressen als Nachschlagewerk), ein Berlin-Biographisches Lexikon (Persönlichkeiten, die Bedeutung für Berlin hatten) und neue Projekte wie „Frauen in Berlin“ und „Militär in Berlin“. Das Themenfeld ist bei weitem noch nicht ausgeschöpft und wird von der Stadt bisher viel zu wenig wahrgenommen. Zu Unrecht, denn der Luisenstädtische Bildungsverein trägt mit seinem Wirken dazu bei, die Verbundenheit der Berliner mit ihrer Stadt zu stärken und die Neugier der Berlin-Besucher auf die Hauptstadt anzuregen, indem sie etwas über Geschichte und Gegenwart Berlins erfahren.
Sven Jansen




Selbsthilfe Flop oder top?

Wiederkehrender Vandalismus an der Außenfassade des RuDi-Nachbarschaftszentrums.
Kann gemeinwohlorientiertes Engagement schaden?

Mit Fleiß und Einsatzbereitschaft vieler Beteiligter wurde das bis zum Sanierungszeitraum leerstehende, südliche Inspektorenhaus des Schulkomplexes der Emanuel-Lasker-Realschule mit Mitteln aus dem URBAN-II-Fonds saniert und zu einem angesehenen Zentrum für Ehrenamts- und Nachbarschaftsarbeit hergerichtet. Viele Hürden wurden vom Bauherrn, dem Berlin-Brandenburger Bildungswerk e.V., in ehrenamtlichem Engagement bewältigt. Unterstützung beim Gelingen des Bauvorhabens gab es durch die gsub mbH; das Arbeitsamt Berlin-Mitte, die Fachfirma G.U.T. Consult Gesellschaft für Umwelt- und Territorialplanung mbH, durch Bauleute, Handwerker und nicht zuletzt durch die Bürgerschaft, die dem RuDi seit vielen Jahren eng verbunden ist.
Kompliziert gestaltete sich neben vielen anderen Bauproblemen auch die Sanierung der Außenfassade, die stark mit Einschusslöchern aus den letzen Kriegstagen übersäht war.
Umso größer war die Freude darüber, was man nach dem Abbau der Einrüstung in Augenschein nehmen konnte.
Innen wie außen bot sich dem Betrachter, dem schnell vorbeieilenden, sowie den zahlreichen Nutzern die schon sehnsüchtig auf "ihren neuen RuDi" warteten, ein wunderbarer Anblick.

Es dauerte nur wenige Tage und Schmierfinken setzten zu nächtlicher Zeit ihre „tags“ an die Außenfassade und die Außentür des RuDi-Nachbarschaftszentrums. Unerkannt.
Obwohl es sich für die Übeltäter nicht lohnt – die Mitarbeiter des RuDi sind sehr beharrlich dabei die Sauereien vermittels „Kärcher“ zu entfernen – lässt sich der Schmierertrend noch nicht ganz unterbinden.

Bei jeder Reinigung entstehen vor allem Materialkosten, die sich nur mühsam über Spendenaufkommen abdecken lassen.
Der „RuDi“ hatte die Idee für eine Präventionsgruppe als ABM, stieß aber bei den entsprechenden Stellen der Obrigkeit noch nicht auf besonders ausgeprägtes Verständnis für den Wunsch, die Beseitigung der Schmierereien am RuDi und an anderen wichtigen Plätzen der Umgebung – so z.B. an der mit URBAN II-Mitteln finanzierten Betonistallation „AUS – LAND“ – in die Hand zu nehmen. Wer wirft schon absichtlich sein knapp bemessenes Geld in den Müll, gegen die Schmiererein könne man ja sowieso nichts tun?!

Wie gedenkt nun das Bezirksamt diese Immobilie vor weiterem Vandalismus zu schützen? Ehrenamt? Die Bürger aus dem Rudolfkiez erwarten Unterstützung von den zuständigen Gremien.
gabra




Kita am Rudolfplatz feiert 35. Jubiläum

Seit 1971 gibt es in der Rudolfstraße den Kindergarten, der heute als „Kita am Rudolfplatz“ für die lieben Kleinen des Kiezes da ist.
Zuerst war es eine „Kinderkrippenkombination“ also eine Kinderkrippe für Kleinkinder und ein Kindergarten für die größeren Kinder. Zweck des NARVA-Betriebskindergartens war es, den vielen Frauen, die im Glühlampenwerk arbeiteten, eine Kinderbetreuung zu ermöglichen. Später wurde der Kindergarten aber für alle Kinder im Stralauer Kiez geöffnet.
Durch die enge Anbindung an das NARVA-Werk, gab es stets eine gute Essenversorgung. Auch über technische Ausstattung konnten sich Eltern nicht beklagen. Es gibt sogar ein Wandmosaik im Haus, das eine Künstlerin im Auftrag des NARVA-Werkes für die Kinder geschaffen hat. Waren einst 170 Kinder hier untergebracht, sind es heute etwa 130 Kinder. Einige Räumlichkeiten hat die heutige Kita an das Bayouma-Haus und an die „Nische“ abgegeben. Das Bayouma-Haus kümmert sich um die Integration und Beratung von Nachbarn mit Migrationshintergrund und die „Nische“ ist eine willkommene Bereicherung des Freizeitangebotes für Jugendliche im Kiez.
„Heute ist es eine Kita für Kinder bis sechs Jahre und für Hortkinder bis zwölf Jahre“ sagt die jetzige Leiterin Jutta Michael. Allerdings werden die Hortkinder seit kurzem wieder in den Schulen betreut. „Aber es hat Spaß gemacht mit den Hortkindern“, sagt Mitarbeiterin Frau Feist. Auf die Frage, was das Besondere an der Kita ist, sagt Frau Michael: „Es ist die Kiezverbundenheit der Eltern. Viele Eltern wählen uns auch aus, weil bei uns Bewegung und Psychomotorik eine große Rolle spielt. Hinzu kommen der Garten, die großen Räumlichkeiten und eine angenehme Atmosphäre im Haus.“
Gewöhnen mussten sich die Erzieherinnen an das neue „Berliner Bildungsprogramm“. Heute sind mehr die Kinder und weniger die Erzieher die Akteure. „Lernen durch Selbsterfahrung“heißt das Zauberwort und bedeutet, dass die Kinder früher lernen, selbständig zu agieren.
In diesem Sinne bleibt nur, der „Kita am Rudolfplatz“ viel Glück zu wünschen für die nächsten 35 Jahre.
Sven Jansen



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