Geschichte

Das Fischerdorf Stralau ist der älteste besiedelte Ort des heutigen Stadtteils Friedrichshain und vermutlich einer der ältesten Siedlungsplätze in Berlin und Umgebung. Erstmalig erwähnt wurde es in einer Urkunde aus dem 13. Jahrhundert, als es an die Stadt Berlin verkauft wurde. In der Stadtentwicklung Berlins lieh das Fischerdorf zweimal städtischen Quartieren seinen Namen. So taucht in historischen Unterlagen etwa ab 1705 eine Stalauer Vorstadt auf. Es war dies die Gegend zwischen Spree, Festungsgraben, heutiger Barnimstraße, Lichtenberger Straße und Krautstraße. Die Außengrenze dieser Vorstadt, die damals eine Mischung aus städtischen und ländlichen Flecken blieb, wurde mit einem Palisadenzaun ausgestattet, mit dem man den Akzisezoll durchsetzte - und Deserteure zurückhalten wollte.

 

Das Stralauer Viertel, wie es rechts auf der Karte von 1890 abgebildet ist, entwickelte sich aus verschiedenen Koloniegründungen des 18. Jahrhunderts östlich des damaligen Berlins. Ursprünglich noch stark ackerbaulich genutzt begann um 1880 eine dichtere Bebauung mit Mietskasernen für die ärmere Bevölkerung und Bürgerhäusern in repräsentativeren Straßenlagen.

 

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Die Halbinsel Stralau wurde Mitte des 19. Jahrhunderts von der Industrialisierung erreicht, zumindest ihr nordwestlicher Teil. Im südlichen Teil entwickelte sich das Gebiet zu einem beliebten Ausflugsort mit Restaurants und dem ältesten Berliner Volksfest "Stralauer Fischzug". Vom ehemaligen Fischerdorf ist nur die Dorfkirche aus dem Jahre 1464 übriggeblieben. Die Halbinsel kann auch auf die Anwesenheit einiger geschichtlicher Persönlichkeiten zurückblicken, so hat hier der junge Karl Marx gewohnt und sich mit Kameraden zu ausgiebigen Diskussionen getroffen. Mit Stralau eng verbunden ist auch das künstlerische Schaffen des Berliner Dichters Adolf Glaßbrenner und des Malers und Zeichners Heinrich Zille.

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Dorfkirche in Stralau um 1820

 

Mit der Erweiterung Berlins und dem Bau der Akzisemauer kamen Oberbaumbrücke (1724) und Stralauer Tor (1746) an den heutigen Standort. Vor dem Tor erstreckten sich auf dem rechten Spreeufer bis zum Dorf Stralau hin Wiesen und Gärten, die 1854 mit der Errichtung des Berliner Wasserwerkes erstmals bebaut wurden.

Die zunehmende Besiedlung der Stadt führte zwangsweise zum Abtragen der Akzisemauer um 1867 und damit verschwand auch das unscheinbare Stralauer Tor. Die zusammenhängende Bebauung des Areals östlich der heutigen Warschauer Straße bis zum Markgrafendamm erfolgte dann um die Wende des 19./20. Jahrhunderts sehr rasch. Grundlage war hier auch der von James Hobrecht ausgearbeitete und 1862 genehmigte Berliner Bebauungsplan. Entscheidenden Einfluss auf die spätere Lebenssituation in diesem neuen Quartier sollten bis heute die schon vorhandenen (seit 1841 die Frankfurter Eisenbahn) und noch entstehende Verkehrsbauten haben.

1894-96 wurde die hölzerne Oberbaumbrücke durch die oben abgebildete steinerne ersetzt. Damit begann auch der Bau der ersten Hochbahnlinie, der heutigen U 1. Mit ihrer Inbetriebnahme 1902 tauchte das Stralauer Tor als Name für den Bahnhof an der Brücke wieder auf. Inzwischen waren die Wohnhäuser rund um den Rudolfplatz bis auf die Zwinglikirche (1906-08) schon fast alle fertig und bezogen. Die erforderlichen Schulen baute Ludwig Hoffmann von 1909-13. Den elektrischen Strom bekamen die Anwohner ab 1908 durch das Umspannwerk Am Rudolfplatz 3. Das heute noch arbeitende Abwasserpumpwerk in der Rudolfstraße war schon seit 1891 in Betrieb.

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Container vor dem BGW 1975

Unabhängig von der Wohnbebauung entstand von 1906 bis 1912 das Glühlampenwerk der Auergesellschaft an der Warschauer Brücke. Später wurde dieser Betrieb zum größten Werk der OSRAM GmbH-KG. Nach dem 2. Weltkrieg und erheblichen Zerstörungen wurde der Betrieb wiederaufgebaut und entwickelte sich unter dem Namen Berliner Glühlampenwerk (BGW) zum Stammbetrieb des späteren Kombinates NARVA. Über 80 Jahre wurde an diesem Ort nicht nur Industriegeschichte geschrieben, auch die Entwicklung der Lichttechnik erhielt von hier aus wesentliche Impulse. Mit der Liquidation des BGW durch die Treuhand fand diese Tradition Anfang der 90er Jahre ihr Ende.

Der Osthafen zwischen Oberbaum- und Elsenbrücke wurde von 1907 bis 1913 errichtet. Zu DDR-Zeiten wurden hier bis zu 2,5 Millionen Tonnen Güter umgeschlagen. Heute wird der Hafen schrittweise zurückgebaut und sein Gelände bzw. seine denkmalgeschützten Gebäude einer anderen Nutzung zugeführt. So ist das 1928/29 errichtete Eierkühlhaus am westlichen Ende des Hafens im Inneren völlig umgestaltet worden und seit Herbst 2002 Sitz des Musikkonzerns Universal Music. Auch der benachbarte Speicher ist rekonstruiert und inzwischen ein gut genutztes Büro- und Präsentationsgebäude. Absichten, den Rest des Osthafen als Logistikzentrum und Umschlagplatz für zukünftige innerstädtische Großprojekte (Alexanderplatz) vorzuhalten, sind inzwischen aufgegeben worden. Das Hafengelände kann offenbar relativ rasch einer anderen städtebaulichen Nutzung zugeführt werden. Eine weitere große Lagerhalle des Hafens ist inzwischen nach Umbauarbeiten neuer Standort für den TV-Sender MTV.

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 Kornspeicher auf dem ehemaligem Gelände des „Osthafens" Stralauer Allee. In direkter Nachbarschaft zur „Hochbahn" steht das ehemalige „Eierkühlhaus" heute „UNIVERSAL".


Die Modebranche hat hier einen neuen Standort installiert. Verschiedene Modelabels haben in den alten, inzwischen modernisierten Industriegebäuden des Osthafens einen neuen attraktiven Standort für sich entdeckt und bereichern somit den Wirtschaftsaufschwung des Stadtbezirks Friedrichshain-Kreuzberg maßgeblich.

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